Die Konstante

Location: Bangkok
Wetter: sehr heiß und schwül
Zeitunterschied: + 6 Std.

Bangkok polarisiert und lässt die Meinungen unter Reisenden auseinandergehen. Fühlen sich die Einen von der Masse an Touristen förmlich erschlagen, schwärmen die Anderen über ihr außergewöhnliches Flair. Unsere Gefühlswelt zu Bangkok lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen und lautet: „Willkommen zu Hause“. Im Gegensatz zu dem bekannten Werbespot im Zeichen des Stern‘ s stoßen wir aber in Bangkok die Türen auf, um in die Atmosphäre der Stadt eintauchen zu können.

Jeder Aufenthalt in Thailands Hauptstadt führt bei uns fast zwangsläufig zu einer neuen Perspektive auf die Stadt. Durch die rasante Entwicklung der Metropole ist es eigentlich unmöglich, je ein vollständiges Bild von ihr zu zeichnen. Auf der anderen Seite fühlen wir uns in Bangkok immer wie beim Besuch eines guten alten Freundes, den man kennen und schätzen gelernt hat. Und so freuten wir uns bereits vor unserer Ankunft auf Altbekanntes, waren aber dennoch auch neugierig auf alle Veränderungen in der Zwischenzeit. Bei unserem aktuellen Besuch brachten wir viel Zeit mit und konnten es daher gemächlich angehen. Einem Ritual gleich führte einer der ersten Wege in unser geliebtes Straßenlokal am Ende der „Soi Rambuttri“. Ein Genuss im doppelten Sinne. Um uns herum das pulsierende Leben und auf den Gaumen lag der lang ersehnte Geschmack von Thai-Curry. Der Rest der Szenerie wies Parallelen zu „Dinner for one“ auf. Das Essen schmeckte, die Straßenverkäuferinnen boten immer noch ihre quakenden Holzfrösche an und der grimmig dreinschauende Bierlieferant mit der „Darth Vader“ Figur auf dem Helm drehte auch noch regelmäßig seine Runden… es war also alles wie immer.

Die ersten Tage in der Stadt quälte uns der „Jetlag“ und verschob das Frühstück meist in den frühen Nachmittag. Die zweite Tageshälfte nutzten wir aber auch für ausgedehnte Streifzüge durch unsere asiatische Lieblingsstadt. In puncto Fortbewegung setzten wir dabei auf einen gefälligen Wechsel zwischen Laufen und Busfahren, immer auf der Suche nach neuen Perspektiven auf die Stadt und ihre Menschen. Um dem Ganzen eine besondere Würze zu geben, wählten wir gern mal einen Bus aus, von dem wir nicht wussten, wohin er eigentlich fuhr. Grundsätzlich ist das kein Problem in Bangkok, da alle Busse eine mehr oder weniger große Runde drehen und somit irgendwann wieder den Ausgangspunkt erreichen. Im Gegensatz dazu waren unsere Absichten aber nicht immer dem Personal vermittelbar. Gelegentlich trafen wir auf so viel Hilfsbereitschaft, dass wir wieder unverrichteter Dinge aussteigen mussten. Man gab uns zu verstehen, dass dieser Bus nichts für Touristen sei, da er in eine Gegend fahren würde, wo es für uns wirklich nichts zu sehen gebe. Trotz dieser kleinen Widrigkeiten konnten wir neben den bekannten auch etliche neue Ecken in der Stadt besuchen. Insbesondere die Westseite der Stadt bietet diesbezüglich jede Menge Raum für ein unverfälschtes thailändisches Stadtleben.

Ein Ausflug in die nördlich von Bangkok gelegene ehemalige Königstadt „Ayutthaya“ war für uns in vielerlei Hinsicht ein lehrreicher Tag. Eine Erfahrung stach dabei mit Abstand heraus und wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Ein kurzer kräftiger Ruck setzte unseren Zug langsam in Bewegung. Wir saßen auf einer der schmalen, mit grauem Kunststoff bezogenen Sitzbänke der 3. Klasse und ließen den Blick durch das geöffnete Fenster über den Bahnsteig schweifen. Auf dem Nachbargleis stand der noch leere Zug nach Chang Mai. Eine Putzkolonne in blauen Overalls beseitigte gerade mit Wasser und Bürsten den gröbsten Schmutz der letzten Fahrt von der Außenhaut. Der Bahnsteig vor uns wimmelte von Händlern. Mit der Abfahrt unseres Zuges ließen sich diese wieder auf ihren Plastikstühlen nieder und warteten auf die nächste Kundschaft. Wir waren guter Dinge und genossen in trauter Zweisamkeit die Fahrt durch das morgendliche Bangkok. Bei jedem Halt strömten mehr und mehr Menschen in den Zug. Ein Mann mit seinem Sohn sprach uns auf thailändisch an und deutete immer wieder auf sein Ticket, das er wedelnd in seiner rechten Hand hielt. Wir erkannten sofort sein Begehren und versuchten ihm mit ein paar kurzen knackigen Worten und viel Gestik zu helfen. Die Kernthese, die es zu vermitteln galt, nannte sich „freie Platzwahl in der 3. Klasse“, genauso wie es uns der Beamte am Schalter in Bangkok erklärt hatte. Irgendwie fruchteten aber unsere Auslassungen nicht. Der Herr wurde bestimmter und verwies immer wieder auf sein Ticket. In völliger Selbstsicherheit und den Glauben an Recht und Gesetz spielten wir die Karte „Oberlehrer“ aus, zugegebenermaßen ein typisch deutscher Trumpf. Das führte zu einem abrupten Themenwechsel unseres Gegenüber, der sich nun mit der Begrifflichkeit „Gesichtsverlust“ auseinandersetzte, zugegebenermaßen eine eher thailändische Angelegenheit. Was folgte war der resignierte Rückzug und die Suche nach einem anderen Platz. Wir fühlten uns eigentlich gut, obwohl ein bitterer Beigeschmack wegen der lautstarken Diskussion zurückblieb. Aber Recht muss doch Recht bleiben und so sahen wir in uns die Retter in der Not, die einem Unwissenden den rechten Weg und Platz gewiesen hatten. Noch im Glanze des Erfolges zogen plötzlich dunkle Wolken auf und ein weiterer Reisender gesellte sich zu uns. Mit leiser und diplomatischer Stimme und dem typischen thailändischen Lächeln auf dem Gesicht gab uns der nette Herr grundsätzlich Recht, nicht aber ohne sofort auf die Ausnahmen in Punkto Sitzplatzreservierung hinzuweisen. Langsam, ganz langsam rutschten wir tiefer und tiefer in unsere Bank hinein, wobei sich der graue Kunststoffbezug als außerordentlich förderlich erwies. Nach unserem Waterloo stand nun der Gang nach Canossa an und wir krochen buchstäblich zu Kreuze. Auf‘s Förmlichste und nach allen Regeln der Kunst entschuldigten wir uns und versuchten unseren Lapsus zu erklären. Es folgten Nicken und Lächeln und die dankbare Ablehnung eines Platzwechsels, um uns einen Gesichtsverlust zu ersparen. Aber genau diesen hätten wir dringender denn je gebraucht, saßen wir doch nun wie zwei überreife Tomaten auf einem Nagelbrett und hofften inständig auf die schnellstmögliche Ankunft in „Ayutthaya“. Zum Abschluss noch etwas zum eigentlichen Anlass des Tages. Der Besuch der Stadt lohnt wirklich nur, wenn man viel Zeit und nichts Besseres zu tun hat.

Stichwort Zeit. Das Versinken in dieser gelang uns in Bangkok mehrfach exzellent, einmal sogar so gut, dass wir vergaßen nach zwei Stunden quatschen die Rechnung im Café zu bezahlen. Es fiel uns übrigens erst am nächsten Morgen auf.

Drei Wochen Bangkok neigten sich langsam dem Ende entgegen. Auch diesen Aufenthalt genossen wir wieder in vollen Zügen und daher steht jetzt schon fest – Wir werden wiederkommen in unser Reisewohnzimmer. Mit der Ankunft von Angie‘ s Eltern setzten wir unsere Reise in Richtung unserer neuen Heimat fort – Australien. Was wir dort alles erlebten, erfahrt ihr in unserem nächsten Bericht.

Bis dahin verbleiben wir mit ganz lieben Grüßen,
Eure beiden Weltreisenden
Angie & Thomas

 

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